Was ist ein Energieaudit?

 

Größere und verbundene Unternehmen sind per Gesetz verpflichtet, seit dem 5. Dezember 2015 ein Energieaudit nachzuweisen. Aber auch für kleinere Unternehmen kann sich ein solches auszahlen.

 

Durch ein Energieaudit lassen sich die wesentlichen Energieflüsse eines Unternehmens offenlegen und Energieeffizienzpotenziale identifizieren. Grundlage hierfür ist die systematische Erfassung und Analyse der Energiedaten. Im Ergebnis wird ein Abschlussbericht erstellt, der vorhandene Energieeinsparpotenziale ausweist und auf der Basis von Wirtschaftlichkeitsberechnungen sinnvolle Energieeffizienzmaßnahmen empfiehlt. Normiert ist das Energieaudit in der DIN EN 16247-1.

 

Zwar gilt für große und verbundene Unternehmen seit 2015 eine gesetzliche Pflicht zur Durchführung eines Energieaudits, doch ist ein solches auch mit deutlichen Vorteilen verbunden: so können Unternehmen ein Audit als Vorstufe für die Einführung eines komplexeren Energiemanagementsystems nutzen. Denn auf der Grundlage der gewonnenen Daten aus der Verbrauchserfassung und der eingesetzten Energieträger ist die Weiterentwicklung eines Energieaudits zum Energiemanagementsystem (EnMS) nach ISO 50001 möglich. Kleine und mittlere Unternehmen  (KMU) können ein Audit beispielsweise als Entscheidungsgrundlage für Investitionen in Energieeffizienzmaßnahmen nutzen. Darüber hinaus erfordert die Inanspruchnahme bestimmter steuerlicher Vorteile ebenfalls ein Energieaudit als Voraussetzung.

 

Energieaudit-Pflicht für größere und verbundene Unternehmen

 

In der Bundesrepublik Deutschland werden die Vorgaben der Europäischen Union für Energieaudits im Energiedienstleistungsgesetz (EDL-G) umgesetzt. In seiner neuen Fassung sieht das Gesetz, mit Ausnahme von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) vor, dass alle großen und verbundenen Unternehmen in Deutschland bis spätestens 5. Dezember 2015 ein Energieaudit entsprechend der DIN EN 16247-1 durchzuführen haben. Alle vier Jahre muss dann ein Folgeaudit durchlaufen werden.

 

Steuervorteile durch Energieaudits

 

Unter bestimmten Voraussetzungen können Unternehmen die gesetzlichen Vorgaben für den Spitzenausgleich (§55 Energiesteuergesetz und §10 Stromsteuergesetz) und die besondere Ausgleichsregelung im Rahmen des EEG  (§§ 63 ff. EEG 2014) durch ein Energieaudit erfüllen.
Über den Spitzenausgleich können Unternehmen bis zu 90 Prozent der Energie- und Stromsteuerbelastung rückvergütet bekommen. Als Voraussetzung für diese Vergünstigungen müssen Unternehmen ein zertifiziertes Energiemanagementsystem nach DIN EN ISO 50001 oder alternativ ein gültiges Umweltmanagementsystem nach dem Eco-Management and Audit Scheme (EMAS) nachweisen. Von dieser Regelung ausgenommen sind kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Für diese sieht der Gesetzgeber nach Paragraph 3 der Spitzenausgleich-Effizienzsystemverordnung (SpaEfV) alternative Systeme zur Verbesserung der Energieeffizienz als ausreichend an.

 

Die besondere Ausgleichsregelung ermöglicht es Unternehmen, eine reduzierte EEG-Umlage, die auf 15 Prozent der regulären Umlage begrenzt ist, zu beantragen. Als Voraussetzung für diese Vergünstigungen müssen Unternehmen ein zertifiziertes Energiemanagementsystem nach DIN EN ISO 50001 oder alternativ ein gültiges Umweltmanagementsystem nach dem Eco-Management and Audit Scheme (EMAS) nachweisen. Von dieser Regelung ausgenommen sind Unternehmen mit einem Energieverbrauch unter 5 GWh jährlich. Diese Unternehmen können ebenfalls  ein alternatives System (nach Anlage 2 SpaEfV) oder ein Energieaudit (nach DIN EN 16247-1) nutzen.

 

Ablauf eines Energieaudits

 

Der einleitende Kontakt

Im ersten Schritt stimmt der Energieberater das Ziel und den Umfang des Audits mit dem Unternehmen ab. Hierzu zählt die Festlegung von Parametern wie der Anwendungsbereich, die Datenverfügbarkeit und der Detaillierungsgrad. Auch zeitliche und wirtschaftliche Parameter wie der Durchführungszeitraum oder vom Unternehmen geforderte Renditen für Energieeffizienzmaßnahmen werden formuliert.

 

Die Auftakt-Besprechung

Im Rahmen der Auftakt-Besprechung werden zwischen dem Energieauditor und dem Unternehmen konkrete Vereinbarungen getroffen, z. B. Geheimhaltung und Datenschutz oder Datenlieferungen und Zeitpläne. Auch Erläuterungen des Auditors zur praktischen Ausgestaltung und der weiteren Vorgehensweise finden hierstatt. Zu diesem Zeitpunkt werden zudem auch die betroffenen Mitarbeiter Seitens des Unternehmens über das anstehende Energieaudit informiert. Wichtig ist es dabei, einen Mitarbeiter zu benennen, der den Energieauditor im gesamten Prozess unterstützend begleitet.

 

Die Datenerfassung

Mit der Datenerfassung beginnt der wesentliche Bestandteil eines Energieaudits. Vor dem Außeneinsatz bzw. der Vor-Ort-Begehung werden die vom Unternehmen bereitgestellten Daten zusammengestellt und ausgewertet. Auf dieser Basis kann der Energieauditor seinen Außeneinsatz, insbesondere die erforderlichen energierelevanten Messungen im Unternehmen, optimal planen und vorbereiten.

 

Beispiele für die Basisdatenerhebung:

  • Mitarbeiteranzahl
  • Betriebszeiten
  • Geplante energieverbrauchsrelevante Änderungen (Erweiterungsbau, neue Produktionsanlagen)
  • Geplante und durchgeführte Energieeffizienzmaßnahmen
  • Energielieferverträge
  • Gesamtenergieverbrauch und Energiekosten nach Energieträgern und Zeiträumen

 

Außeneinsatz (Vor-Ort-Begehung)

Ziel des Außeneinsatzes ist es, dass sich der Energieauditor ein genaues Bild über den energetischen IST-Zustand des Unternehmens machen kann. Dazu zählt neben der Erfassung des Energieeinsatzes unter realistischen Bedingungen auch die Untersuchung des Nutzerverhaltens und das Verständnis für Arbeitsabläufe.

 

Beispiele für Tätigkeiten während des Außeneinsatzes:

  • Erhebung der elektrischen und thermischen Leistung einzelner Anlagen und deren Betriebszeiten
  • Erfassung und Dokumentation von Temperaturniveaus, insbesondere bei thermischen Prozessen
  • Mitarbeiterbefragungen hinsichtlich Verbesserungsvorschlägen und Einstellungen zum Thema Energieeffizienz
  • Beobachtung des Mitarbeiterverhaltens, z. B. hinsichtlich Abschaltung nicht benötigter Anlagen, Leckagemeldungen

 

Analyse

Im Anschluss an den Außeneinsatz muss der Energieauditor die erfassten Daten und beobachteten Verhaltensweisen analysieren, Energieeinsparpotenziale ableiten, bewerten und für den Bericht verschriftlichen. Hierfür fordert die DIN EN 16247 die Bilanzierung der Energieflüsse im Unternehmen für die Energieverbrauchs- und versorgungsseite sowie die Darstellung im Zeitverlauf. Dies kann beispielsweise in Form eines Sankey-Diagramms, einer ABC-Analyse oder mittels Zeitreihen grafisch dargestellt werden. 
Um die energieverbrauchsrelevanten Daten aussagekräftig und für zukünftige Erhebungen belastbar zu gestalten, ist es zusätzlich erforderlich, die Daten zu bereinigen. Hierfür sollten insbesondere die Energieverbräuche für die Raumwärmebereitstellung und -klimatisierung temperaturbereinigt werden. Dazu werden die Verbräuche mit den Heiz- und Kühlgradtagen verrechnet. Für produktionsspezifische Energieverbräuche obliegt es dem Energieauditor Energiekennzahlen (EnPI) zu bilden (z. B. Energieverbrauch je produzierte Einheit), die für das Unternehmen geeignet sind und einen Vergleich der Energieeffizienz des Unternehmens mit Branchenkennzahlen oder historischen Verbrauchswerten ermöglichen.   
Im Ergebnis muss der Energieauditor auf Grundlage des IST-Zustandes im Unternehmen die Energieeinsparmöglichkeiten quantifizieren und nach den vereinbarten Kriterien bewerten. Die Bewertung erfolgt z. B. hinsichtlich Investitionskosten, Energiekosteneinsparungen und interner Verzinsung. Dabei müssen auch indirekte Auswirkungen, z.B. auf Produktionsgeschwindigkeit oder Wartungskosten, berücksichtigt und aufgeführt werden.

 

Bericht

Der Audit-Bericht muss transparent, qualitativ hochwertig und nachvollziehbar sein und die folgenden wesentlichen Elemente enthalten: Zusammenfassung, Hintergrund, Dokumentation des Energieaudits, Liste der Möglichkeiten zur Verbesserung der Energieeffizienz und Schlussfolgerung.
Neben allgemeinen Informationen zum Unternehmen, getroffenen Vereinbarungen und relevanten Vorschriften und Standards müssen alle Daten, die im Rahmen der Datenerhebung oder durch Messungen ermittelt wurden, im Bericht enthalten sein. Werden Energieverbrauchsdaten hochgerechnet, ist es notwendig die getroffenen Annahmen zu hinterlegen. Im Falle von Messungen müssen detaillierte Informationen zu den verwendeten Messinstrumenten und ggf. Kalibrierzertifikate beigefügt werden. 
Besondere Aufmerksamkeit gilt den identifizierten Energieeffizienzpotenzialen. Diese müssen detailliert dargestellt werden, inkl.: 

  • Beschreibung der Energieeinsparpotenziale inkl. Annahmen für deren Berechnung
  • Wirtschaftlichkeitsberechnung inkl. Annahmen für deren Berechnung 
  • relevanten Fördermöglichkeiten
  • konkreten Umsetzungsempfehlungen mit Ablaufplänen geeigneten Verfahren zur Evaluierung der Einsparungen nach Maßnahmenumsetzung

Nach Rücksprache mit dem Verantwortlichen wird der Audit-Bericht an die Geschäftsführung übermittelt. Es empfiehlt sich, die an dem Audit beteiligten Personen im Unternehmen über die Berichtsergebnisse zu informieren.

 

Abschlussbesprechung

In der Abschlussbesprechung präsentiert der Auditor der Geschäftsleitung und idealerweise weiteren Mitarbeitern mit  energierelevanten Positionen im Unternehmen die Ergebnisse. Im Rahmen der Präsentation werden Detailfragen rund um das Energieaudit beantwortet. Ziel der Präsentation ist es, die Geschäftsleitung zu der Umsetzung der Maßnahmen zu motivieren.

 

Fördermöglichkeiten

 

Die BAFA fördert kleine und mittlere Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft und des sonstigen Dienstleistungsgewerbes sowie freiberuflich Tätige mit Sitz und Geschäftsbetrieb in Deutschland.  

Nicht gefördert werden Unternehmen, denen eine Entlastung im Rahmen des Spitzensteuerausgleichs (§ 10 Stromsteuergesetz und § 55 Energiesteuergesetz) gewährt wird sowie Unternehmen, die im laufenden oder im vergangenen Kalenderjahr einen Antrag nach §§ 63 ff. EEG (Besondere Ausgleichsregelung) gestellt haben.

 

Für Unternehmen mit jährlichen Energiekosten bis 10.000 Euro beträgt die Zuwendung 80 % der förderfähigen Kosten für Beratung und Umsetzung, jedoch maximal 1.200 EUR. 

Für Unternehmen mit jährlichen Energiekosten über 10.000 Euro beträgt die Zuwendung 80 % der förderfähigen Kosten für Beratung und Umsetzung, jedoch maximal 6.000 EUR. 

 

Kundenvorteile:

  • Energieeffizienzerhöhung
  • Energiekostenreduzierung 
  • Steuereinsparungen
  • CO2 Reduzierung
  • Verbesserung der Umweltbilanz
  • Energietransparenz
  • Positives Marketingargument
  • Erhöhung der Wirtschaftlichkeit und Wettbewerbsfähigkeit

 

Gerne führen wir in Ihrem Unternehmen ein Energieaudit nach DIN EN 16247-1 durch.

 

Hier der aktuelle Energieaudit-Flyer mit allen wichtigen Informationen zur Ansicht, zum Download, oder zum Teilen:

 

ePaper
Teilen:

 

Quellen: dena, BAFA

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© ISG Ingenieurbüro Stefan Geißendörfer GmbH 2019